Sonntag, 17. Oktober 2010

„Es ist nicht das Außen“

„Es ist nicht das Außen“

In den verschiedensten Erfolgsratgebern  kann man immer wieder lesen, dass nicht das Außen entscheidend für unsere Befindlichkeit ist, sondern dass wir es selbst sind, die etwas aus einer Situation machen. Das klingt immer ein bissl abstrakt und deshalb möchte ich diese Aussage heute mit einem ganz praktischen Beispiel illustrieren:

Ich jogge dreimal die Woche. Ein Teil meines Weges führt mich entlang einiger kleiner Landstraßen, die die Dörfer hier mit einander verbinden. Auf diesen Straßen fahren hin und wieder Autos. Immer wenn ein Auto kommt, muss ich mit dem Hund auf den Seitenstreifen, um es vorbeizulassen.

So weit, so gut. Nun gibt es Tage an denen können locker fünf oder sechs Autos kommen und ich gehe jedes Mal gelassen zu Seite, ja, grüße noch freundlich. Dann gibt es Tage, an denen mich dieselbe Anzahl der Autos richtig nervt. Ich finde es eine Zumutung, immer zur Seite gehen zu müssen, da ich doch einfach nur in Ruhe joggen will. Und dann gibt es Tage, an denen machen mich schon drei Autos richtig wütend und ich denke über eine Bürgerinitiative zum Schließen dieser Landstraßen nach.

Das Interessante ist: an den Umständen – nämlich, dass ich auf einer Landstraße jogge, auf der hin und wieder Autos fahren – ändert sich nichts. Was sich ändert, ist meine Reaktion auf die immer gleichen Umstände. Was ich an manchen Tagen vollkommen ok finde, macht mich an anderen wütend. ICH bin es, nicht die anderen.

Wenn ich das wirklich für mich verstehe, wenn ich mir also bewusst mache, dass es meine ganz eigene Interpretation der Gegebenheiten ist und es eben NICHT die äußeren Umstände sind, die mich wütend machen, habe ich die Möglichkeit, meine automatischen Reaktionen zu durchbrechen. Ich kann dann z.B. tief durchatmen, über mich lachen oder ich kann an Tagen, an denen ich merke, gereizt zu sein, einfach einen anderen Weg wählen, wo eben keine Autos fahren.

Solange wir davon überzeugt sind, dass das Außen unsere Lebensqualität bestimmt, sind wir Opfer der Umstände. Es wird keiner der Autofahrer zu Hause bleiben, damit ich mich nicht ärgere! Ich kann also schimpfen und fluchen so viel wie ich möchte – ändern tue ich damit gar nichts. Ändern kann ich nur mich und meine Sicht auf die Dinge, wobei "nur" hier nicht das richtige Wort ist. Die Tatsache, dass wir uns selbst und unsere Sicht auf die Dinge tatsächlich ändern können, macht uns sehr einflussreich und gibt uns viele, viele Möglichkeiten in die Hand. Entscheidend ist nur, es auch zu erkennen.


Zeit zu leben-Newsletter
Ausgabe: 530
Datum: 17.10.2010
Redaktion: 
Tania Konnerth &
Ralf Senftleben
ISSN 1615-0953

Posted via email from fairgnuegen's posterous

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